19:18 Uhr

Korrigenda: Distanzmässig sind die einzelnen Abschnitt wirklich deutlich kürzer als noch vor drei Jahren in Namibia. Aber wenn du halt nun statt mit 80km/h mit 20km/h unterwegs bist, benötigt eine halb so lange Strecke, die doppelte Zeit und so verbringen wir heute knapp acht Stunden im Auto. Klingt bekloppt, wenn man bedenkt, dass wir von Frankfurt bis Johannesburg zehn Stunden in einem Flieger gesessen sind, und ich mich jetzt noch beklage, wenn ich an Helga zurückdenke…

Immerhin ist die Fahrt deutlich abwechslungsreicher als der Flug und beinhaltet eine breite Palette an unterschiedlichen «Strassen». Wobei das Wort ‚Strasse‘ verdient ja eigentlich nur die erste Stunde, ab da Sand. Sand fest, Sand lose, Sand tief, Sandwellen, Sandrillen, Sand Steilwandkurven  Sand Spitzkehren, Brücken über Sand, Sand, Sand, Sand. Beinahe juble ich, wenn ich in den Dritten Gang hochschalten kann, um Augenblicke später wieder eiligst den Zweiten reinzuwürgen. Auf keinen Fall stecken bleiben – im Sand vesteht sich.

So rieseln Sekunden, Minuten und Stunden dahin. Büsche und Bäume links, Büsche und Bäume rechst, dazwischen Sand und unsere kleine Karawane.

Da endlich, Tiere und nicht «einfach» ein verirrter Springbock, nein, wir starten mit Elefanten. Zwar nur von hinten am davonzotteln, aber trotzdem versprühen sie Vorfreue und neue Energie. Wenig später weitere Elefanten, sogar mit Jungem und Baby – einfach schön! Allerdings auch für längere Zeit der einzige Weckruf – Sand, Sand, Sand.

Der Aufschrei «Giraff!» durchbricht die Monotonie, oh wie herrlich. Milo greift freudig zur Kamera und knipps ein paar Bilder, während ich nochmals die Karte studiere. Nicht mehr weit, bald da! Wieder schenkt uns die Sichtung neue Erergie und wir nehmen die letzten Sandkörner in Angriff.

«Hääää, Papa, hän mir die Giraff nid schomol gseh?».

Ich stutze kurz und verneine dann –  auch wenn, hmmm, das sieht also schon ziemlich bekannt aus, aber nein, kann ja eigentlich nicht sein. Zur Kontrolle hole ich nochmals die Karte zur Hilfe, aber irgendwie blinkt der aktuelle Standort noch immer da wo ich ihn zuletzt gesehen habe. «Doch Papa, das isch die gliichi Giraff!». Milo hält mir zur Bestätigung  den kleinen Bildschirm seiner Kamera unter die Nase. Hmmm, Busch gleich, Giraffe gleich und auch die Bäume im Hintergrund gleich, verdammt.

Ich gestehe meine Schmach an Wagen zwei und mit gemeinsamer Navigation weiterer Irrfahrern, welche wir unterweg antreffen, erreichen wir zur fortgeschrittenen Nachmittagsstunde unser Ziel. Willkommen im Camp «Third Bridge».

Ankommen, Bierchen, aufbauen, einrichten, duschen, kochen, essen…

…und dann wirds auch schon schnell einmal dunkel.

Da es unsere erste Nacht in der ungeschützten Wildnis ist, wollen wir rechtzeitg im Zelt sein. Und so krabble ich unterdessen bereits im Dunkeln ins Dachzelt. Tierchen, oh Tierchen, wir sind bereit, die Nacht kann kommen!

19:18 Uhr, gute Nacht.

Kommentare

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert