In der Fläche halb so gross wie die Schweiz von den Eindrücken her surreal. Nimm ein gutes VR Headset, schau den Trailer von ‚The Lion King‘ und lass dich vom Fön auf mittlerer Stufe bei 40°C bewinden. Die Luft ist unheimlich trocken, Lippen und Hände sind spröde. Wieder spulen wir die Kilometer runter – diesmal noch viel langsamer, weil hinter jetztem Büschel ja was sein könnte, aber fangen wir vorne an…

Ja, der Eingang zum Etosha-Haus im Zolli macht da eine andere Falle. Das ‚Anderson Gate‘ als Zugang zum Park macht definitiv auf shabby chic. Die Durchfahrt wird von einem jungen Mann im Camouflage Outfit ‚bewacht‘. Bewaffnet mit Notizbrett und einer Sonnenbrille, die Tom Cruise neidisch machen würde. Der junge Mann steht beim Fahrzeug vor uns. Durchs offene Fenster höre ich was von «name?… do you have permit?…». Ich löse meinen Gurt, erfahrungsgemäss dauert dies nun einen Moment.
Fünf Minuten später klopft es an der Wagentür. «Hello Sir, what’s ya name? Do you have permit?» Ich nicke und antworte artig. «You have gun?» Oha, jetzt wird’s ja richtig ernst. So seriös wie möglich verneine ich die Frage – ausser den Wasserpistolen der Kinder hatte ich noch etwas dergleichen in den Fingern, aber Gott macht mich diese Frage männlich. Der junge Mann kritzelt was auf seinem Block, dann blickt er mich wieder an. «Do ya have flying camel?» – gerade noch voll seriös, knallt mir unweigerlich ein Grinsen ins Gesicht. «Sorry, what camel?». Der Mann wiederholt seine Frage. Wieder kapiere ich nicht. Erst als er im vierten oder fünten Versuch schwebende Handbewegungen macht, dazu summt und ergänzt «…for taking picture…», kapiere ich. Nein, keine Drohne dabei, sorry. Als er als Abschlussfrage noch fragt, ob er unseren schönen roten Kugelschreiber behalten dürfe – ein «wunderschönes» Werbegeschenk irgend einer Versicherung – ist der kurzzeitige Glanz von Warlord Bo endgültig verflogen. Als wir durchgewunken werden, sitzt der Junge zufrieden auf dem Mäuerchen, strahlt seinen neuen Kugelschreiber an und winkt freudig.
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