Kategorie: Namibia 2021

  • …time to say goodbye…

    Die letzte Nacht ist vorbei. Die Stimmung ist bedrückt, das Ende der Reise nah. Reich beschenkt mit unzähligen Glücksmomenten, Bildern, Eindrücken. Eine fantastische Welt, welche wir bis anhin nur von Filmen, Büchern und Bildern kannten, wurde (be)greifbare Realität. Zeit für ein wenig Dankbarkeit und Wehmut zugleich.

    Das «Katerfrühstück» gibt’s zur Ausnahme im Bett. Es ist wunderschön zu sehen, wie sehr die Buben diese Welt aufgesaugt, gelebt und geliebt haben, und ihr Abschiedschmerz treibt auch mir ein Kloss in den Hals…

    Mit allem Tagestrips, Safari- und Irrfahrten, stehen zum Schluss 2’719km zu Buche und obwohl wir so unheimlich viel gesehen haben, ist da no soooo viel mehr…

    Bei unserem letzten Kaffeestopp hängt ein kleines Schild über der Tür:

    Don’t cry because it’s over.

    Smile because it happened!

    Danke Namibia!

  • wine & dine

    Weine aus Südafrika sind schon lange kein Geheimtipp mehr und stellen eine feste Grösse im  internationalen Weinbusiness. Weine aus Namibia hingegen sind zum einen sehr selten und somit ebenso unbekannt. Weil wir gerade in der Gegend waren, haben wir heute spontan unsere Zelte auf dem Weingut der ‚Boshoff Family Wines‘ aufgeschlagen. Weinberge inmitten der Landschaften der letzten beiden Wochen muten auf den ersten Blick sehr fremd und deplatziert an, schön anzusehen sind sie trotzdem.

    Begleitet von selbstgemachten Köstlichkeiten präsentiert uns Tamara am Abend liebevoll die aktuelle Kollektion. Wir probieren und von weiss – zu rosé – zu rot – zu süss – zu hochprozentig – zu palüm-palüm. Ich schreibe morgen weiter…

    Eine Weinbaufaustregel besagt, dass die klimatischen Bedingungen zwischen dem 30sten und 35sten Breitengrat ideal wären. Wir befinden und hier auf dem 19ten (südlichen), also viel zu weit nördlich. Entsprechend heisst es experimentieren welche Trauben hier klar kommen und was allenfalls noch ein brauchbares Desinfektionsmittel ergibt.

    Die vorgestellten Weine sind durchs Band gut trinkbar, haben alle ihren eigenen Charakter und bringen auch die Assemblage der Trauben schön zur Geltung (soweit ich das beurteilen kann). Ich würde mir jetzt wohl nicht gerade den Keller damit füllen, aber hier und heute (also gestern) schmecken mir die Weine.

    Die Etiketten und der Name der Kollektion treffen nicht unbedingt meinen Nerv. Die Erklärungen warum und wie diese Kollektion so gestaltet wurde, machen schon Sinn, sprechen mich aber trotzdem nicht unbedingt an. Der Etikettentext besagt folgendes:

    Our adventurous Katholischer range tributes the German Catholic priest that laid the foundation, end of the 19th century, for the small Namibian Wine Industry. We want to honor their pioneering spirit for producing the first Namibian Wine and Schnapps more than 100 years ago, called «Katholischer»

    Böse Zungen würden jetzt fragen, welchen Einfluss dieser Pioniergeist auf die Wochenendsprohibition hatte, aber ich bin jetzt mal nicht so…

  • heiss & trocken

    In hartem Kontrast zu nass & kalt waren die Tage in der Wüste heiss & trocken. Knappe sechs Autostunden südlich von Swakopmund stehen wir in einer anderen Welt. Karg, sandig, trocken, heiss. Der Blick in die Ferne ist dunstig, die Klimaanlage surrt auf Hochtouren, das lauwarme Wasser rinnt literweise die Kehle hinunter.

    Lange bleibt sich der Anblick treu. Dann auf einmal türmen sich Sanddünen am Horizont ins Bild. Bis zu 388m hoch sollen manche werden, unglaublich. Hitze und Sand – alles andere als meine Terrain.

    …Sand, Sand, Sand…

    …Sand, Sand, Sand…

    Unser kleiner Wüstenmarsch zum Dead Vlei und zurück zum rettenden Auto ist knapp drei Kilometer lang. Fühlt sich aber irgendwie nicht gesund an – wobei die Jungmanschaft das anscheinend anders sieht.

    Dann endlich angekommen. Der Dead Vlei war einst der Endpunkt des Tsauchab River bevor die Dünenbewegungen den Wasserlauf verändert und so einen Trockensee hinterlassen haben. Einzelne der staubtrockenen Baumreste sind über 900 Jahre alt. Ringsum- oh Wunder – Sand, Sand, Sand…

    Wirklich erstaunlich, dass gewisse Pflanzen diesem unwirklichen Lebensraum trotzen und es ihnen anscheinend wirklich «gut» geht.

  • Feurio!

    Innert einem Jahr hat in Namibia eine Fläche von 580’480ha gebrannt. Das entspricht in etwa einem Rechteck mit einer Länge von knapp 5805km und einer Breite von 1km. Das wäre so in etwa ein 1km breiter Streifen von Madrid nach New York. Ganz schön gross. Im Vergleich dazu haben die Flammen in Griechenland in diesem Jahr 60’000ha verschlungen.

    dichter Rauch verdunkelt den Himmel
  • Akute Unterhopfung

    Und wieder was gelernt. Von Samstag 13:00 Uhr bis Montag 9:00 Uhr darf in Namibia kein Alkohol verkauft werden – der Ausschank in Restaurants ist davon nicht betroffen. Die Wochenendsprohibition (wie ich das nenne) soll verhindern, dass die (mehrheitlich) Männer den am Freitag erhaltenen Lohn nicht direkt in Alkohol investieren und das Geld bei der Familie und nicht in der Flasche landet.

    Um einer akuten Unterhopfung vorzubeugen, haben wir natürlich vorgesorgt.

  • King George – der Schisser ist wieder da

    Nach sechs Nächten im Zelt ist zur Abwechslung eine Lodge dran. Ohne Sand an den Füssen ins Bett, wieder einmal gründlich duschen, rasieren und huhu, es hat sogar ne Body Lotion. Ich fühle mich gerade wie ein Sultan in seinem Palast – nur der Harem scheint irgendwie vergessen gegangen. Egal, für heute bin ich mal ziemlich zufrieden! Wir haben zwei Zimmer. Nach meinem Plan ergibt das ein Zimmer für den Schwiegervater mit den beiden Enkel und eines für J und mich – und ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert.

    Zugegeben, ich bin schon manchmal ein Luxus-Chick und fühle mich gut, frisch geputzt und in frischen Kleidern, den Sonnenuntergang bei einem Roibosch Gin Tonic zu geniessen, und mich anschliessend an einen gedeckten Tisch zu setzen – herrlich.

    Aus einem Gin Tonic wurden zwei, dann noch ein Gläschen Wein, gutes Essen und hui, heiter – lustig – trallala. Jetzt möchte ich eigentlich nur noch ins Bett und Briefmarken anschauen. Los Kinder, Zähne putzen, hier das Pyjama, ein Gutenachtschmützli und jetzt raus hier! Die Gemächer des Sultans wurden zudem herlich für die Nacht hergerichtet. Dezent schimmerndes Licht, das Insektennetz kustvoll um die weissen Bettlaken drapiert, 1001 Nacht ahoi. Ich putze die Zähne und summe lustig vor mich hin «…you can leave your hat on *dütütü-tü-tü-tüüüüüü*…». In heiter-lustigem Zustand ist so ein Schleusensystem von Insktennetz eine knifflige Sache, aber irgendwie schaffen wir es beide auf die andere Seite und liegen endlich flauschig gebettet da. Die Nacht könnte eigentlich kommen, aber als modernes Paar nutzen wir natürlich die Gegelgeheit um unsere Smarphones zu checken, schliesslich haben wir endlich wieder einmal ein mehr oder weniger stabiles WiFi.

    Hoppla!

    Egal, die Heuschrecken hier sind gross, aber solange sie ausserhalb des Netzes sind und mir in der Nacht nicht auf der Nase tanzen, sind sie mir ziemlich egal.

    Hoppla!

    Aber diese Exemplar ist doch schon richtig gross. Och, come on, was klettert das doofe Vieh jetzt am Netzt rum…

    Hoppla!

    Runtergefallen, sag ich doch, doofes Vieh! Ich setze mich auf, beuge mich zur Bettkante und suche mit der Taschenlampe nach dem Tierchen.

    Hoppla!

    Verdammt, das Tierchen ist wirklich gross, das Tierchen ist verdammt schnell und das Tierchen ist definitiv keine Heuschrecke!!! Och nööööö, wenn Insektengetier‘ eine bestimmte Grösse haben, bekommen sie einen eigenen Namen. Dieses Exemplar hier bekommt sogar noch einen Adelstitel, verdammter King George, was suchst du in meinem Palast?!

    Hoppla!

    King George habe ich unterdessen als eine irre schnelle, monströs grosse und ziemlich wirr umherrennende Spinne identifiziert. Definitiv Zeit, dass ich J mal update wie sich unsere Heuschrecke so entwickelt hat. In diesem Moment biegt King George scharf rechts ab und rast pfeilgerade auf unser Bett zu. Mayday, mayday, mayday, keine Sekunde bis zum Einschlag.

    HOOOOOOOOOOOOOPPLAAAAAAA!!!

    Das Netz zittert kurz – von George keine Spur mehr. Unsere letzte Verteidigungslinie ist gefallen. George ist unter dem Bett auf welchem J und ich unterdessen stehen und quieken – Panik!

    Der Sultan ist unterdessen längst abgereist und hat dem Schisser wieder seinen Platz überlassen. Was nun? Schlafen mit King George unter dem Bett? Niemals! J und ich prüfen kurz die Optionen. Nö, nein, sicher nicht, das geht auch nicht. Ich habe mich unterdessen wieder auf die andere Seite des Netzes gewagt, J steht noch auf dem Bett. Nach kurzer Beratschlagung gibt es nur eine Lösung. Ich ziehe mir eine Hose über. Jetzt noch J aus der Falle bekommen und dann nix wie weg!

    Endlich liegen wir wieder im Bett. Die Aufregung hat sich ein wenig gelegt, die Panik ist gewichen und wir lachen über das gerade Erlebte. Jetzt nur noch schlafen. Auf dem Parkplatz vor der Lodge knipsen wir in unserem Bush-Camper das Licht aus – gute Nacht!


    Nachtrag: weder der Sultan noch der Schisser haben daran gedacht, brauchbare Bilder zu schiessen. King George wurde unterdessen als Walzenspinne identifiziert und wird sicherlich noch so manchen Gästen viel Freude bereiten.

    Der Sultan seinerseits gilt seit dem Zwischenfall als vermisst. Es sieht ganz so aus, als ob der Schisser die restlichen Tage mit mir verbringen wird, das kann ja heiter werden… Jetzt erstmal Kaffee am Wasserloch und Impalas beobachten, das scheint ungefährlich.

  • nass & kalt

    Nebst unglaublichen Landschaften und einer grandiosen Tierwelt, vergisst man leicht, dass Namibia direkt am Atlantik liegt. Theoretisch hätten wir von Reinach direkt mit den Kajak anreisen können. Dass dieser Theorie sehr viel Praxis fehlt haben wir in Swakopmund erfahren.

    Bei der Anfahrt hat uns eine Brücke über den Skakop die Bedeutung dieses Ortsnamens verraten. Die Mündung des Swakops – wobei Swakop selbst wohl nochmals auf ’schwarz‘ und ‚Kopf‘ aufgeschlüsselt werden kann. Viele Namen hier würden bei uns definitiv nicht als politisch korrekt durchgehen. Der Einfluss der Niederländer auf die Sprache Afrikaans schimmert sehr oft durch und lädt teils zu lustigen Ratespielen ein.

    Weniger zu raten, gaben dann Namen wie ‚Adler Apotheke‘, ‚Kaffeehaus‘ oder ‚Hafenstrasse‘ in Swakopmund selbst. Der koloniale Einfluss ist noch immer deutlich spürbar.

    Hafenstrasse in Swakopmund

    Ebenso deutlich spürbar ist der Temperaturunterschied im Vergleich zum Landesinnern. Gerade noch bei knapp 40°C in der Wüste, tragen wir heute lange Hosen, Pullover und Jacke. Die Luft ist feucht und kalt. Die Stimmung auf den Bildern entspricht dem Gefühlten.

    Immerhin am Abend lacht noch kurz die Sonne – kalt bleibt es…

    Am Morgen darauf folgt dann der Beweis, dass es an besagter Praxis mit dem Kajak eben noch fehlt. Auf wärmere Temperaturen haben wir vergebens gehofft.

    Die Anfahrt geht über ein gutes Stück Sandpiste am Meer. 4×4 rein, Luft aus den Pneus und ab. Ziel ‚Pelican Point‘ in der ‚Walvis Bay‘ (wieder ein einfaches Ratespiel). Vorbei an verlassenen Hotels und Wracks begegnen wir Schakalen, Pelikanen, Flamingos und vereinzelt auch Seebären.

    Dann unser Ziel. Nicht nur vereinzelte Seebären, sondern ein paar mehr davon.

    Kurz vor dem Wassergang ehrt uns ein Buckelwal mit seinem Anblick, dann gehts selbst raus aufs Meer.

    …üben…

    …suchen…

    …»anpirschen»…

    …und dann dieser Moment, in dem es dir vor lauter Glücksgefühl ein Lachen ins Gesicht knallt. Temperatur? – sowas von egal!

    Nebst der Sichtung von unzähligen Quallen die uns umgeben (teils gross wie Basketbälle), erhalten wir zum Abschluss noch Besuch von Delfinen. Ich paddle wie wild, aber es bleibt bei einem Kurzbesuch.

  • Am Wasserloch

    Nach vier Tagen Safari mit jeweils unzähligen Tiersichtungen, spannend, selten, herzergreifend, erstaunlich, witzig, stolz, graziös, atemberaubend oder eben ohne Worte, amüsiere ich mich gerade ob Gerhardt und Waltraud auf Pauschalurlaub bei ihrer ersten Tiersichtung am Wasserloch. Köstlich, endlich doch noch Affen gesehen!

  • Tanz mit dem Zebra

    Eigentlich egal wo in Namibia – die Städte und Ortschaften ausgenommen – der Sonnenaufgang ist atemberaubend schön. Unsere Campsite bei der ‚Sophienhof Lodge‘ (ich fühl mich wie Kaiser Franz) hat angrenzend einen Hike Trail über einen kleinen Hügel. Da wollen wir heute hoch. D.h. die Kinder wollen nicht und auch der Schwiegervater möchte erst frühstücken. Solch eine Chance muss man Eltern nicht zweimal bieten. Der Weg ist nicht lang, nicht steil, die Temperatur äusserst angenehm und die Aussicht herrlich!

    Wir beobachten unzählige Dassies, wie sie in den Bäumen und über die Steine klettern. Begegnen einem Kudu Bullen und erspähen am Wasserloch in der Ebene eine Rappenantilope. So kann Morgenspaziergang! Den Abstieg nehmen wir beinahe beschwingt. Jetzt noch da über die Steine und wir sind wieder «ZISCH!!!». Nicht mehr ganz so beschwingt bleiben wir wie angewurzelt stehen. Das hat irgendwie nicht nach einer Einladung zum Kaffeeplausch getönt. Langsam machen wir zwei Schritte zurück und vergewissern uns gegenseitig, dass wir das beide gehört haben. Mit den Augen suchen wir die Umgebung ab. Was nun? Noch einmal trete ich mit dem Schuh kräftig gegen den Boden. «ZIIIISCH!» Ok, ok, ist ja gut, sagen wir unentschieden. Aber wir drehen jetzt hier trotzdem mal um und schleichen den Weg zurück wieder ins Camp…

    Als wir im Camp von unserem Erlebnis berichtem wird sogleich Schlangenfänger Dave losgeschickt um das Tier zu identifizieren und je nach Bedrohung auch zu erlegen. Die Entscheidung umzudrehen hat sich im Nachhinein als absolut richtig erwiesen. Dave berichtet von einer Zebra Schlange (auch Gebänderte Speikobra). Puuuuh, jetzt erstmal Kaffee.