Es gibt diese Kategorie Mensch, die bei der Berufswahl dummerweise ins falsche Kistchen gegriffen hat, diesen dann aber wie Helga bei Penny an Kasse gnadenlos ausübt. Diese Kasse plus die zweieinhalb Meter Laufband werden zu Helgas Kleinstaat und da gelten ihre Gesetze. Wie gesagt, manche greifen einfach daneben und so sitzt Helga nun nicht an der Kasse, sondern kontrolliert Korridor 7b von Flug LH572. Ratespiel vorbei, wer sitzt nicht per Zufall an Korridor 7c?!? BINGO!
Bereits beim Boarding blitzen ihre strahlweise Zähne durch das überfreundliche Lächeln und bereits da hätte ich es spüren müssen, sie mag mich. Aber hey, ich reklamiere nicht mehr über Flugreisen, die sind nun mal ‚part of the deal‘ bei so einer Reise, also kurz gebellt und dann geschluckt, bringt ja eh nix. Das Timing mutet diesmal zudem besser an. Knapp nach 19 Uhr in Frankfurt und kurz nach 22 Uhr von da wieder los. Das Gebäck ist ja bereist unterwegs, also haben wir genügen Zeit was zu futtern, um anschliessend im Flieger eine Mütze Schlaf zu erhaschen, guter Plan. Das Abendessen habe ich vergleichsweise leicht gewählt und dafür mit einem kleinen Bierchen gekrönt. Alle Zeichen stehen auf Schlaf.
22:26 Uhr eigentlich sollten wir ja bereits in der Luft sein, aber noch immer stehen wir am Boden. Puuuh ganz schon eng die Kiste, da haben sie aber einen nett alten Vogel gefunden aber ich will ja nur schlafen, schlafen, schlafen. Es dauert also etwas länger, bis ich eingerichtet bin. Geschmeidig schlage ich kleine Pirouetten auf den 0.36m² und versuche alles Nötige in die Sitztasche vor mir oder irgendwie auf dem Sitz vernünftig anzuordnen. Nicht so leicht, die Sitztasche scheint bereits mit meinem Fläschen Wasser nahe an der Belastbarkeitsgrenze und auf der Sitzfläche liegen ja bereits ein Kissen und ne Decke. Mit sanfter Gewalt bringe ich alles so gut es geht in seine Position und sitze endlich da. Nackenhörnchen, Schal, Nasenspray, Augenmaske, Jäckchen, Sitzlehne nach hinten, Bo ist ready, Abflug.
Tatsächlich bin ich schon bald eingenickt. Freilich nicht dieser geile nach dem Mittagessen Powernap, aber ich ereiche tatsächlich immer wieder Dämmer- und Schlafzustände. Die Gedanken verfangen sich in leichtem Nonsense und bilden die Vorstufe von Träumen.
«Spezialmenü für Platz 39G», ohhhh come-on, sehe ich wirklich so hungrig aus, ich schlafe. Ich bewege mich nicht und lausche den Dingen die da passieren.
«Möchten wir nicht mehr, danke, wir haben bereits gegessen.»
«Habe Sie aber bestellt, extra!»
«Ist aber beinahe Mitternacht und wir habe bereits gegessen…»
«Dann wollen Sie also nicht, dann nehme ich es wieder mit.»
Ha, das klappt, Helga zieht ab und ich musste mich nicht wach outen.
«Kindermenü für Platz 39F». Huch Helga, du schon wieder. Das Spiel beginnt erneut, kleiner verbaler Austasuch und Helga zieht ab. Nichts sehend vermute ich, dass sich das Spiel bei Platz 39D und 39E nochmals wiederholt hat, aber Helga da wohl kommentarlos von alleine abgedreht ist. Ich döse wieder ein
«BARBECUE CHICKEN OR PASTA!?» laut und deutlich, eine gefühlte Armlänge neben meinem Ohr, «BARBECUE CHICKEN OR PASTA!?»
Unüberhörbar, Helga ist wieder da. «Shall I wake him up for you?», ich bin wach doofe Schnäpfe. «Sprichst du Deutsch, ist das dein Papa, kannst du deinen Papa aufwecken, er muss die Rückenlehne gerade stellen, der Herr hinter ihm möchte essen…»
Grummlig ziehe ich jetzt doch die Maske von den Augen. «…und ich würde einfach gerne schlafen…»
«Das können Sie ja gleich wieder.»
Der Blick auf die Uhr zeigt 00:00:32. Es ist ein verdammtes Flugzeug, das innerhalb einer Zeitzone in Richtung süden fliegt, ein Flugzeug, keine Zeitkapsel. Verwundert schaue ich um mich. 99% der Passagiere scheinen zu mampfen, nur die Abtrünnigen von Reihe 39 nicht.

Ich belle leise noch ein wenig vor mich hin, dann ziehe ich die Augenklappe wieder herunter und versuche da weiterzumachen, wo ich aufgehört habe.
«COFFEE OR TEA?»
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