Andere Welten

Der Besuch im Moremi vorbei. Reich beschenkt mit einer Fülle an Eindrücken und Erinnerungen sitzen wir beim Frühstück. Unglaublich, dies zu erleben – dies erleben zu dürfen.

Auf dem Weg aus dem Delta zurück in die Stadt wechselt die Strasse von Sand und Schotter zu Asphalt, nur die Schlaglöcher bleiben. Wie immer, wenn wir von befestigem auf unbefestigten Untergrund (oder umgekehrt) wechseln, heisst es den Reifendruck anzupassen. Während der Kompressor knattert und zischt, steht auf einmal ein kleiner Junge neben mir. Barfuss, die schwarzen Hosen wirken im eingefangenen Staub und Sand braun, sein blaues Hemd so gut es geht in einem Stück.

«Hello Sir, I’m thirteen years old. I’m in the 6th class. I’m the best in my class…»

Seine charmante Art ist gewinnend und es entsteht ein kleiner Smalltalk. Len sitzt derweil im Auto und hat auf mein Geheiss die Türen im Überblick.

«…but we are all very hungry, and my aunt is ill. She was so strong and now…»

Geduldig steht er neben mir und wartet in der prallen Mittagssonne, bis alle vier Reifen den nötigen Luftdruck haben und das Keuchen und Zischen verstummen. Wir sammeln in den Auto zusammen, was wir noch an Snacks finden. Grosse Vorräte haben wir ja selbst nicht mehr. Ein paar Datteln hier, ein paar Cracker da. Aus dem Fundus an Kleidern, die wir abgeben wollen, suchen wir das eine oder ander passende Stück. Inzwischen steht der Junge natürlich auch nicht mehr alleine da und wir versuchen die bittenden Hände gleichermassen zu berücksichtigen. Viel ist es freilich nicht und Geld wollen wir weder verteilen noch sichtbar machen.

Der kleine Junge, der sich nun ja eigentlich um den vollen Lohn seiner Bemühungen betrogen sehen könnte, winkt uns bei der Weiterfahrt mit einem Lächeln nach. Len indess sitzt nachdenklich auf dem Beifahrersitz.

«Papa, das fühlt sich schon komisch an, wir sind gleich alt, aber ich sitze hier einfach im Auto und helfe nicht und höre ein Asterix Hörspiel, während die anderen Kinder da draussen betteln müssen.»

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