Nach sechs Nächten im Zelt ist zur Abwechslung eine Lodge dran. Ohne Sand an den Füssen ins Bett, wieder einmal gründlich duschen, rasieren und huhu, es hat sogar ne Body Lotion. Ich fühle mich gerade wie ein Sultan in seinem Palast – nur der Harem scheint irgendwie vergessen gegangen. Egal, für heute bin ich mal ziemlich zufrieden! Wir haben zwei Zimmer. Nach meinem Plan ergibt das ein Zimmer für den Schwiegervater mit den beiden Enkel und eines für J und mich – und ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert.

Zugegeben, ich bin schon manchmal ein Luxus-Chick und fühle mich gut, frisch geputzt und in frischen Kleidern, den Sonnenuntergang bei einem Roibosch Gin Tonic zu geniessen, und mich anschliessend an einen gedeckten Tisch zu setzen – herrlich.
Aus einem Gin Tonic wurden zwei, dann noch ein Gläschen Wein, gutes Essen und hui, heiter – lustig – trallala. Jetzt möchte ich eigentlich nur noch ins Bett und Briefmarken anschauen. Los Kinder, Zähne putzen, hier das Pyjama, ein Gutenachtschmützli und jetzt raus hier! Die Gemächer des Sultans wurden zudem herlich für die Nacht hergerichtet. Dezent schimmerndes Licht, das Insektennetz kustvoll um die weissen Bettlaken drapiert, 1001 Nacht ahoi. Ich putze die Zähne und summe lustig vor mich hin «…you can leave your hat on *dütütü-tü-tü-tüüüüüü*…». In heiter-lustigem Zustand ist so ein Schleusensystem von Insktennetz eine knifflige Sache, aber irgendwie schaffen wir es beide auf die andere Seite und liegen endlich flauschig gebettet da. Die Nacht könnte eigentlich kommen, aber als modernes Paar nutzen wir natürlich die Gegelgeheit um unsere Smarphones zu checken, schliesslich haben wir endlich wieder einmal ein mehr oder weniger stabiles WiFi.
Hoppla!
Egal, die Heuschrecken hier sind gross, aber solange sie ausserhalb des Netzes sind und mir in der Nacht nicht auf der Nase tanzen, sind sie mir ziemlich egal.
Hoppla!
Aber diese Exemplar ist doch schon richtig gross. Och, come on, was klettert das doofe Vieh jetzt am Netzt rum…
Hoppla!
Runtergefallen, sag ich doch, doofes Vieh! Ich setze mich auf, beuge mich zur Bettkante und suche mit der Taschenlampe nach dem Tierchen.
Hoppla!
Verdammt, das Tierchen ist wirklich gross, das Tierchen ist verdammt schnell und das Tierchen ist definitiv keine Heuschrecke!!! Och nööööö, wenn Insektengetier‘ eine bestimmte Grösse haben, bekommen sie einen eigenen Namen. Dieses Exemplar hier bekommt sogar noch einen Adelstitel, verdammter King George, was suchst du in meinem Palast?!
Hoppla!
King George habe ich unterdessen als eine irre schnelle, monströs grosse und ziemlich wirr umherrennende Spinne identifiziert. Definitiv Zeit, dass ich J mal update wie sich unsere Heuschrecke so entwickelt hat. In diesem Moment biegt King George scharf rechts ab und rast pfeilgerade auf unser Bett zu. Mayday, mayday, mayday, keine Sekunde bis zum Einschlag.
HOOOOOOOOOOOOOPPLAAAAAAA!!!
Das Netz zittert kurz – von George keine Spur mehr. Unsere letzte Verteidigungslinie ist gefallen. George ist unter dem Bett auf welchem J und ich unterdessen stehen und quieken – Panik!
Der Sultan ist unterdessen längst abgereist und hat dem Schisser wieder seinen Platz überlassen. Was nun? Schlafen mit King George unter dem Bett? Niemals! J und ich prüfen kurz die Optionen. Nö, nein, sicher nicht, das geht auch nicht. Ich habe mich unterdessen wieder auf die andere Seite des Netzes gewagt, J steht noch auf dem Bett. Nach kurzer Beratschlagung gibt es nur eine Lösung. Ich ziehe mir eine Hose über. Jetzt noch J aus der Falle bekommen und dann nix wie weg!
Endlich liegen wir wieder im Bett. Die Aufregung hat sich ein wenig gelegt, die Panik ist gewichen und wir lachen über das gerade Erlebte. Jetzt nur noch schlafen. Auf dem Parkplatz vor der Lodge knipsen wir in unserem Bush-Camper das Licht aus – gute Nacht!
Nachtrag: weder der Sultan noch der Schisser haben daran gedacht, brauchbare Bilder zu schiessen. King George wurde unterdessen als Walzenspinne identifiziert und wird sicherlich noch so manchen Gästen viel Freude bereiten.
Der Sultan seinerseits gilt seit dem Zwischenfall als vermisst. Es sieht ganz so aus, als ob der Schisser die restlichen Tage mit mir verbringen wird, das kann ja heiter werden… Jetzt erstmal Kaffee am Wasserloch und Impalas beobachten, das scheint ungefährlich.

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