Kategorie: Namibia 2021

  • Etosha – the flying camel

    In der Fläche halb so gross wie die Schweiz von den Eindrücken her surreal. Nimm ein gutes VR Headset, schau den Trailer von ‚The Lion King‘ und lass dich vom Fön auf mittlerer Stufe bei 40°C bewinden. Die Luft ist unheimlich trocken, Lippen und Hände sind spröde. Wieder spulen wir die Kilometer runter – diesmal noch viel langsamer, weil hinter jetztem Büschel ja was sein könnte, aber fangen wir vorne an…

    Anderson Gate

    Ja, der Eingang zum Etosha-Haus im Zolli macht da eine andere Falle. Das ‚Anderson Gate‘ als Zugang zum Park macht definitiv auf shabby chic. Die Durchfahrt wird von einem jungen Mann im Camouflage Outfit ‚bewacht‘. Bewaffnet mit Notizbrett und einer Sonnenbrille, die Tom Cruise neidisch machen würde. Der junge Mann steht beim Fahrzeug vor uns. Durchs offene Fenster höre ich was von «name?… do you have permit?…». Ich löse meinen Gurt, erfahrungsgemäss dauert dies nun einen Moment.

    Fünf Minuten später klopft es an der Wagentür. «Hello Sir, what’s ya name? Do you have permit?» Ich nicke und antworte artig. «You have gun?» Oha, jetzt wird’s ja richtig ernst. So seriös wie möglich verneine ich die Frage – ausser den Wasserpistolen der Kinder hatte ich noch etwas dergleichen in den Fingern, aber Gott macht mich diese Frage männlich. Der junge Mann kritzelt was auf seinem Block, dann blickt er mich wieder an. «Do ya have flying camel?» – gerade noch voll seriös, knallt mir unweigerlich ein Grinsen ins Gesicht. «Sorry, what camel?». Der Mann wiederholt seine Frage. Wieder kapiere ich nicht. Erst als er im vierten oder fünten Versuch schwebende Handbewegungen macht, dazu summt und ergänzt «…for taking picture…», kapiere ich. Nein, keine Drohne dabei, sorry. Als er als Abschlussfrage noch fragt, ob er unseren schönen roten Kugelschreiber behalten dürfe – ein «wunderschönes» Werbegeschenk irgend einer Versicherung – ist der kurzzeitige Glanz von Warlord Bo endgültig verflogen. Als wir durchgewunken werden, sitzt der Junge zufrieden auf dem Mäuerchen, strahlt seinen neuen Kugelschreiber an und winkt freudig.

  • Ein Schneemann in Namibia

    Ich weiss nicht warum, aber ich tue mich zugegebenermassen schwer, mit Kleiderspenden oder ähnlichem direkt auf Menschen zuzugehen. Ein Hoch auf den Tex-Aid Kontainer. Nur gibt es diese Kisten hier nicht, aber zum Glück habe ich dafür eine (manchmal) bessere Hälfte.

    Die Reaktion die uns am Tag darauf erreicht hat, sollte mir eigentlich Anlass geben, diese Hemmung nochmals zu überdenken…

  • Zältle

    Das Wort klingt nach regnerischen Ferien am Murtensee, darum nix zältle, wir campen hier!

    Campday 1 – wir testen und sortieren das Equipment

    Der erste Aufbau ist noch etwas unbedarft. Eine Schnalle hier, der Reissverschluss da, Lasche eins und zwei und wo nochmal war drei und vier? Nach 20 Minuten war alles wie es soll.

    Pro Zelt zwei Schlafplätze und noch zwei im Camper. Platz ist also genügend da, die Betten sind auch bereits verteilt und werden inspiziert.

    Der erste Augenschein gefällt…

    Die Preisfrage der ersten Nacht: Wie kalt wird es? Sind es am Tag locker 30°C, so fallen die Temperaturen nach dem Sonnenuntergang sehr schnell auf 15°C, später sogar auf 10°C und darunter. Ausgerüstet mit zwei Decken, einem Schlafsack und Jacken beziehen wir das Lager. Stirnlampe und LTB (das ist keine sexuell geprägte Community, sondern das ‚lustige Taschenbuch‘) dürfen dabei natürlich nicht fehlen. Nach kurzem Lesen wird erst einmal gemützt. Der Flug hängt noch in den Knochen.

    …auch die Nacht lässt sich gut an…

    01:23 Uhr – erste Wachphase. Och nö, nicht daran denken, nur nicht daran denken. Nach kurzem Systemcheck wird weitergeratzt, alle Sensoren geben grünes Licht, kein Pippi im Anmarsch…

    04:37 Uhr – zweite Wachphase. Temperaturcheck, alles wunderbar. Doch was ist da auf dem Zeltdach. Hüpft da was auf dem Zeltdach? Stirnlampe an… harren… beobachten… Mit dem noch einpackten Schlafsack stosse ich gegen das Zeltdach. Keine Reaktion. Ich bin ein Schisser, echt jetzt! Da ist nix, Licht aus!

    04:45 Uhr Licht an! Da ist was… Kurz beobachten 04:47 Uhr, Licht aus! – verdammter Schisser…

    04:47 Uhr Licht an, hab ich dich! Nein, doch nicht, da ist nix!

    Natürlich, ich liebe Spiele und so beschäftigt mich auch dieses Spiel noch eine Weile.

    05:13 Uhr, puuuh, das Rätsel lüftet sich langsam. Aus dem leichten Auf und Ab ist unterdessen ein spürbares Hin und Her geworden. Wind ist aufgekommen und knallt unterdessen hörbar und kraftvoll gegen das Zelt. Das lose Vorzelt flattert im Wind und jede dritte Böe versetzt uns in sanfte Wogen. Falls jetzt tatsächlich noch was auf dem Zeltdach rumhüpft, dann muss das ein ganz schöner Oschi sein. Q.e.d. da ist nix! Endlich schlafe ich wieder ein…

    …und der Morgen mit der Sonne im Gesicht sowieso.

    Der Rest der Nacht verläuft nach Plan und als wir erwachen begrüsst uns die Morgensonne. Herrlich. Offiziell habe ich durchgeschlafen wie ein Baby… *hüstel*

  • «Strassen?…

    …Wo wir hingehen, brauchen wir keine Strassen!» Dr. Emmett Brown (aka. «Doc») lag da nicht komplett daneben, als er dies am 6. Oktober 1985 verkündete. Auch wenn selbst 36 Jahre später die Autos noch nicht fliegen können und das Hoverboard noch Räder hat, wirkliche Strassen brauchen/bekommen wir hier selten. Was aber meist gilt. Hinter dem Horizont ist vor dem Horizont – ja, Udo, stimmt schon. Die Distanzen und Weiten sind grandios.

    Die reinen Kilometerangaben täuschen dabei oft, denn in der Regel «schleichen» wir mit 70 km/h durch die Landschaft und somit verdoppelt oder verdreifacht sich das gewohnte Zeitmass für die Überwindung von Distanzen schnell einmal.

    Und auch das regelmässige Anpassen des Reifendrucks benötigt seine Zeit, ist für den losen Untergrund aber ein Muss! Und so lernen wir schnell: Die Europäer haben die Uhren, die Afrikaner haben die Zeit!

  • Windhuk – Tag 1

    Ankommen, ausrüsten, auspacken, umpacken, einkaufen, einräumen, umräumen. Tag eins steht ganz im Zeichen der Vorbereitung. Vom Flughafen gehts direkt zur Autovermietung. Wieder unzählige Formulare, Erklärungen, Schalter, Schlösser, Werkzeug und und und. Ich hoffe, dass die anderen auch mitgehört haben und wir gemeinsam die einzelnen Abläufe und Teile wieder zusammen bekommen.

    Die Wagentaufe ist dann Domäne der Kinder…

    Simba
    Mario

    Eine weitere wichtige Aufgabe am ersten Tag ist das Einkaufen des Reiseproviants für die nächsten Tage.

    WC-Papier, Wasser, Nudeln, Bier – check

    Jetzt noch etwas gegen den Hunger und dann ab ins Bett. Wir sind alle rieblimied!

  • «Achtung bitte,…

    …wegen eines technischen Defekts musste der Flug AY132 nach Windhuk auf ein anderes Flugzeug umbucht werden. Somit hat es leider nicht für alle Fluggäste einen Platz in der Maschine. Ob Sie weiterhin einen Sitzplatz besitzen, erfahren Sie direkt beim Einsteigen. Sollte sich beim Einlesen Ihrer Bordkarte die Türe nicht öffnen, haben Sie keinen Sitzplatz für diesen Flug erhalten. Treten Sie in diesem Fall bitte zurück und lassen Sie den anderen Fluggästen den Vortritt…»

    Mein Vorhaben nicht fluchend, polternd und motzend durchzustarten, wird definitiv auf ein harte Probe gestellt! Lange Minuten des Wartens und Hoffens. Kurz nach 22:00 Uhr dann die Erleichterung. Wir sind drin, mit leichter Verspätung kann es losgehen. Natürlich hat der Flug noch so manche Überraschung gebracht, aber wir sind unterdessen heil angekommen. Hungrig, müde, grintschig, aber da – «hallo Windhuk»

  • please fasten your seatbelt

    Zugegeben, ich HASSE!!! Langstreckenflüge – bäääääh. Und ja, ich bin der Archetyp eines Reisenörglers. Zu weit, zu lang, zu kalt, zu anstrengend, zu unbequem, zu… – gib mir ein wenig Zeit und ich finde noch zwei, drei, fünfzehn Gründe, um so eine Reise für alle Beteiligten zu einem riesen Gaudi werden zu lassen. Aber – Hand aufs Herz – diesmal wird es anders und ich lasse mich auch von zehn Stunden im Transit in Frankfurt nicht klein kriegen, diesmal nicht, da ändern auch die grottenschlechten Rezessionen für die Fluggesellschaft nix! *wuaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaah*

  • Ich packe meinen Rucksack…

    Covid-19 mischt natürlich auch bei den Reisevorbereitungen kräftig mit und verlangt, nebst dem Ausfüllen von zusätzlichen Formularen, einen negativen PCR-Test. Einmal an der Schädeldecke pulen, bitte – von innen versteht sich!

    PCR-Test
    brave young man

    In der Nacht auf heute sind dann die Ergebnisse gekommen. Alle negativ, BINGO!

    Somit steht eine weiter Spezialdisziplin von mir an. Ich packen meinen Rucksack und nehme mit…

    …15 Unterhosen…

    …15 Unterhosen und ein Ladegerät…

    …15 Unterhosen, ein Ladegerät und zwei Sonnenbrillen…

    …15 Unterhosen, ein Ladegerät, zwei Sonnenbrillen und 12 Paar Socken…

    …15 Unterhosen, ein Ladegerät, zwei Sonnenbrillen, 12 Paar Socken und doch noch zwei Unterhosen zusätzlich…

    Rucksack

    Ich werde wohl noch einen Moment mit diesem Spiel beschäftigt sein…

  • Einmal im Kreis

    So ähnlich haben zumindest die ersten Kreise ausgesehen, die ich als Kind gemalt habe. Hauptsache Start- und Endpunkt stimmen mehr oder weniger überein. Hier wäre ich allerdings froh, kämen Start- und Endpunkt nicht nur einigermassen zusammen. Kollege Google gibt die Länge der Strecke mit 2’228 km an. Zum Vergleich entspricht dies exakt einem Roundtrip von Basel nach Neapel und zurück. Easy-peasy!

    Basel-Neapel-Basel
  • 19.9658956

    Die reinen Grössenverhältnisse sind eindrücklich. Knapp 20-mal liesse sich die kleine Schweiz in Namibia reinpuzzeln. In der Liste der grössten Länder der Erde wäre dies Rang 33 gegen Rang 132. Allerdings hat Namibia nur knapp einen Drittel der Bevölkerung der Schweiz und so kommen, statt wie bei uns 210, nur drei Personen auf einen Quadratkilometer. Die Schweiz ist also um knapp Faktor 70 dichter bevölkert – natürlich vernachlässigt dieser Vergleich, ob die zugrunde liegende Fläche überhaupt besiedelbar wäre.

    Grössenvergleich Schweiz Namibia